Wer digitale LED-Streifen über ein Netzwerk steuert, stößt früher oder später auf zwei Namen: Art-Net und sACN. Beide transportieren dieselben Lichtdaten über ganz normale Ethernet-Netzwerke, beide werden von Software, Controllern und Konsolen quer durch die Branche unterstützt. Und beide führen bei der Einrichtung regelmäßig zur selben Frage: Welches nehme ich?

Die kurze Antwort: Für kleine bis mittlere Aufbauten funktioniert meistens beides, und Art-Net ist einen Tick einfacher einzurichten. Sobald es um viele Universen, viele Pixel oder mehrere Steuergeräte im selben Netz geht, spielt sACN seine Stärken aus. Die lange Antwort steht in diesem Beitrag, samt der Rechnung, die am Ende wirklich zählt: wie viele Pixel du pro Universum unterbringst und wie groß dein Netzwerk dadurch wird.

In PixDrive sind beide Protokolle eingebaut. Du musst dich also nicht schon beim Kauf einer Software auf eine Technik festlegen, die später vielleicht nicht mehr passt. Trotzdem lohnt es sich zu verstehen, was hinter den beiden Namen steckt.

Die gemeinsame Basis: DMX512

Art-Net und sACN sind keine Konkurrenten von DMX, sondern seine Verlängerung. DMX512 ist der alte Standard aus der Bühnentechnik, über den Scheinwerfer, Dimmer und Moving Heads seit den Achtzigern gesteuert werden. Ein DMX-Kabel überträgt genau ein Universum, und ein Universum besteht aus 512 Kanälen. Jeder Kanal trägt einen Wert von 0 bis 255.

Für LED-Streifen ist genau diese Einteilung entscheidend. Eine einzelne RGB-Pixel-LED braucht drei Kanäle, je einen für Rot, Grün und Blau. Ein Universum mit 512 Kanälen reicht also für 170 RGB-Pixel (170 × 3 = 510 Kanäle, zwei bleiben ungenutzt). Bei RGBW-Pixeln mit vier Kanälen sind es 128 Pixel pro Universum. Diese Zahl solltest du im Kopf behalten, denn sie bestimmt, wie viele Universen deine Installation braucht.

Das Problem: Ein DMX-Kabel überträgt eben nur ein Universum. Wer 20 Meter Pixelstreifen mit ein paar tausend LEDs ansteuern will, käme mit klassischem DMX auf ein unhandliches Kabelgewirr. Hier kommen Art-Net und sACN ins Spiel. Beide packen DMX-Daten in Netzwerkpakete und schicken viele Universen gleichzeitig über ein einziges Ethernet-Kabel. Das ist der ganze Trick: DMX über das Netzwerk, nur eben in großem Maßstab.

Was ist Art-Net?

Art-Net wurde 1998 von der britischen Firma Artistic Licence entwickelt. Es ist das ältere der beiden Protokolle und über die Jahre zum De-facto-Standard geworden. Praktisch jedes Gerät und jede Software mit Netzwerk-Lichtsteuerung spricht Art-Net.

Technisch überträgt Art-Net seine Daten über UDP auf Port 6454. In der aktuellen Version Art-Net 4 sind bis zu 32.768 Universen möglich, was für die allermeisten LED-Projekte mehr als genug ist. Ursprünglich verschickte Art-Net seine Pakete per Broadcast, also an alle Geräte im Netzwerk gleichzeitig. Das ist bequem, weil man sich um Adressen kaum kümmern muss, belastet aber das Netz, weil jedes Gerät jedes Paket bekommt, auch die Universen, die es gar nicht braucht. Neuere Versionen setzen deshalb auf Unicast, bei dem jedes Paket gezielt an das Gerät geht, das es verarbeiten soll.

Ein praktischer Vorteil von Art-Net ist die automatische Geräteerkennung. Über sogenannte ArtPoll-Pakete melden sich Controller im Netzwerk selbst an, sodass die Steuersoftware sie findet, ohne dass du jede IP-Adresse von Hand einträgst. Für den Einstieg ist das angenehm: Netzwerk verbinden, Geräte tauchen auf, loslegen.

Was ist sACN?

sACN steht für Streaming ACN und ist unter der Normbezeichnung ANSI E1.31 bekannt. Hinter dem Standard steht die ESTA, ein Branchenverband der Veranstaltungstechnik. sACN ist jünger als Art-Net und wurde von Anfang an mit Blick auf große Netzwerke entworfen.

Die Daten laufen über UDP auf Port 5568, und sACN unterstützt bis zu 63.999 Universen. Der wichtigste Unterschied steckt aber in der Art, wie die Pakete verschickt werden: sACN nutzt standardmäßig Multicast. Dabei bekommt jedes Universum eine eigene Multicast-Adresse aus dem Bereich 239.255.0.0 aufwärts. Geräte im Netzwerk melden sich für genau die Universen an, die sie brauchen, und der Switch schickt ihnen auch nur diese. Ein Controller, der die Universen 1 bis 4 verarbeitet, sieht die Daten für Universum 200 gar nicht erst. Das hält die Last auf jedem einzelnen Gerät niedrig, selbst wenn im Netz Hunderte Universen unterwegs sind.

Damit das funktioniert, muss dein Netzwerk allerdings mitspielen. Managed Switches sollten IGMP Snooping beherrschen, damit sie Multicast-Pakete gezielt weiterleiten statt an alle. Auf einem billigen unmanaged Switch kann Multicast sonst zu Broadcast entarten, und der Vorteil ist dahin. Bei Bedarf lässt sich sACN auch per Unicast betreiben, dann verhält es sich ähnlich wie Art-Net im Unicast-Modus.

Zwei weitere Dinge kann sACN, die Art-Net so nicht bietet. Erstens eine Priorität pro Paket, einstellbar von 0 bis 200, Standard ist 100. Damit können zwei Steuergeräte dasselbe Universum senden, und die Empfänger folgen automatisch dem mit der höheren Priorität. Das ist die Grundlage für Backup-Systeme: Fällt die Hauptkonsole aus, übernimmt eine zweite mit niedrigerer Priorität nahtlos. Zweitens eine eingebaute Synchronisation über eigene Sync-Pakete, damit viele Universen ihren neuen Zustand exakt im selben Moment übernehmen und nicht sichtbar nacheinander umschalten.

Die Unterschiede im Überblick

MerkmalArt-NetsACN (E1.31)
EntwicklerArtistic Licence (1998)ESTA, ANSI E1.31
UDP-Port64545568
Universenbis 32.768 (Art-Net 4)bis 63.999
Kanäle pro Universum512512
LEDs pro Universum170 RGB / 128 RGBW170 RGB / 128 RGBW
Max. LEDs (theoretisch)~5,6 Mio. RGB / 4,2 Mio. RGBW~10,9 Mio. RGB / 8,2 Mio. RGBW
ÜbertragungBroadcast / UnicastMulticast / Unicast
Geräteerkennungautomatisch (ArtPoll)manuell / per Konfiguration
Priorität pro Paketneinja (0–200)
Backup mehrerer Senderumständlicheingebaut über Priorität
NetzwerkanforderunggeringIGMP Snooping empfohlen

Die Tabelle zeigt das Muster: Art-Net ist auf Einfachheit ausgelegt, sACN auf Skalierung und Ausfallsicherheit. Kein Protokoll ist grundsätzlich besser, sie sind für unterschiedliche Situationen gebaut.

Was das für LED-Streifen konkret heißt

Bei Bühnenscheinwerfern reden wir über ein paar Universen. Bei Pixel-LEDs sieht die Rechnung anders aus, und deshalb ist die Protokollwahl hier relevanter als anderswo.

Nimm ein mittelgroßes Projekt: eine Medienfassade oder ein Bühnenbild mit 10.000 RGB-Pixeln. Bei 170 Pixeln pro Universum sind das rund 59 Universen. Willst du diese Fläche mit 40 Bildern pro Sekunde animieren, schickt deine Software 40-mal pro Sekunde 59 Universen ins Netz. Über Art-Net-Broadcast bekäme jedes Gerät im Netzwerk den kompletten Datenstrom, auch der Controller, der nur für drei Universen zuständig ist. Über sACN-Multicast bekommt jeder Controller nur seine eigenen Universen. Auf großen Installationen ist das der Unterschied zwischen einem stabilen Bild und Rucklern, weil ein Gerät mit Daten überflutet wird, die es gar nicht braucht.

Für einen kleinen Aufbau dagegen, etwa eine Zimmerdecke mit ein paar hundert LEDs und einem einzigen Controller, ist dieser Unterschied kaum spürbar. Da überträgst du eine Handvoll Universen, und Art-Net per Unicast läuft genauso sauber wie sACN, ist aber schneller eingerichtet.

Es gibt noch einen praktischen Punkt, der oft übersehen wird: Adressierung. sACN kümmert sich nicht darum, welche IP-Adresse ein Controller hat, weil es über Universen adressiert. Wenn deine Geräte ihre IP per DHCP beziehen und sich diese gelegentlich ändert, musst du bei sACN nichts nachpflegen. Bei Art-Net im Unicast-Modus zeigt die Software dagegen auf konkrete IP-Adressen, die dann stabil bleiben sollten. In der Praxis vergibt man Controllern deshalb gern feste IPs, egal welches Protokoll man fährt.

Welches Protokoll solltest du nehmen?

Als grobe Richtschnur: Fang mit Art-Net an, wenn dein Aufbau überschaubar ist, du nicht viel Netzwerktechnik betreiben willst und die automatische Geräteerkennung dir Arbeit spart. Für Heimprojekte, kleinere Installationen und den schnellen Test ist Art-Net die pragmatische Wahl.

Greif zu sACN, wenn deine Installation groß wird, wenn viele Universen und mehrere Controller im selben Netz laufen oder wenn du Ausfallsicherheit über ein Backup-System brauchst. Die Priorität pro Universum und das gezielte Multicast-Routing sind genau für solche Fälle gemacht. Voraussetzung ist ein Netzwerk mit Managed Switches, die IGMP Snooping beherrschen.

Und wenn du es genau wissen willst: Teste beides. Beide Protokolle laufen über dasselbe Netzwerk, oft sogar gleichzeitig. Du kannst denselben Aufbau erst mit Art-Net in Betrieb nehmen und später auf sACN umstellen, ohne die Verkabelung anzufassen. Genau das ist der Grund, warum es sich nicht lohnt, sich früh festzulegen.

Praxis: worauf es beim Netzwerk ankommt

Egal für welches Protokoll du dich entscheidest, ein paar Dinge bestimmen darüber, ob deine LEDs sauber laufen oder zucken. Der häufigste Fehler ist ein zu schwaches Netzwerk. Pixel-Daten sind ein Dauerstrom: Bei 40 Bildern pro Sekunde und vielen Universen läuft ununterbrochen viel Verkehr über die Leitung. Ein einfacher Consumer-Router oder ein überlastetes WLAN kommen da schnell an ihre Grenzen. Für alles jenseits eines kleinen Aufbaus gehören LED-Steuerung und normaler Büro- oder Internetverkehr in getrennte Netze oder zumindest an einen eigenen, ordentlichen Switch. WLAN ist für die eigentliche Pixel-Übertragung generell keine gute Idee, weil es zu unzuverlässig und zu langsam für konstante hohe Datenraten ist.

Der zweite Punkt sind feste IP-Adressen. Auch wenn sACN über Universen adressiert und Art-Net sich Geräte selbst sucht, ersparst du dir viel Ärger, wenn deine Controller feste IPs haben statt wechselnder DHCP-Adressen. Vergib die Adressen am besten in einem eigenen Bereich, den du dokumentierst, dann findest du bei einem Problem sofort das richtige Gerät.

Drittens die Bildrate. Mehr ist nicht automatisch besser. 30 bis 40 Bilder pro Sekunde reichen für flüssige Animationen; wer ohne Not auf sehr hohe Raten geht, erzeugt nur mehr Netzwerklast, ohne dass das Auge einen Unterschied sieht. Wenn dein Bild ruckelt, liegt die Ursache öfter an einem überlasteten Netz als an einer zu niedrigen Bildrate.

Und wenn du sACN mit Multicast fährst: Prüfe wirklich, ob deine Switches IGMP Snooping aktiviert haben. Bei vielen Managed Switches ist die Funktion vorhanden, aber ab Werk ausgeschaltet. Ohne sie behandelt der Switch Multicast wie Broadcast und schickt jedes Universum an jeden Port. Dann hast du dir den Aufwand gespart und trotzdem die Nachteile von Broadcast.

Broadcast vs. Multicast Wie die Universen im Netzwerk bei den Controllern ankommen Broadcast Art-Net Steuerung Switch U1 U2 U3 U4 U1 U2 U3 U4 U1 U2 U3 U4 Controller A braucht U1, U2 Controller B braucht U3 Controller C braucht U4 Jeder bekommt alle Universen – auch die grau markierten, die er nicht braucht. Multicast sACN Steuerung Switch U1 U2 U3 U4 Controller A braucht U1, U2 Controller B braucht U3 Controller C braucht U4 Jeder bekommt nur seine eigenen Universen. Weniger Last auf jedem Gerät und im Netz. Universum 1–4 (genutzt) unnötige Daten

Häufige Fragen

Kann ich Art-Net und sACN gleichzeitig im selben Netzwerk betreiben? Ja. Die beiden Protokolle nutzen unterschiedliche Ports und stören sich nicht. In der Praxis laufen sie oft parallel, etwa wenn ältere Geräte nur Art-Net sprechen und neuere auf sACN gesetzt sind.

Verliere ich Bildqualität, wenn ich das Protokoll wechsle? Nein. Beide übertragen dieselben DMX-Werte mit 8 Bit pro Kanal. Ein Pixel bekommt am Ende exakt dieselben Farbwerte, egal über welches Protokoll die Daten kamen. Der Unterschied liegt allein darin, wie effizient die Daten durchs Netzwerk kommen.

Wie viele Pixel kann ich insgesamt steuern? Das begrenzt in der Praxis weniger das Protokoll als dein Netzwerk und deine Controller. Rein rechnerisch reichen die Universen beider Protokolle für Hunderttausende Pixel. Die echte Grenze ist, wie viele Daten dein Switch und deine Controller stabil verarbeiten.

Brauche ich teure Netzwerktechnik? Für kleine Projekte nicht. Ein einfacher Switch und Art-Net genügen. Erst wenn viele Universen und mehrere Controller zusammenkommen, lohnen sich ein Managed Switch mit IGMP Snooping und ein sauber getrenntes Netz.

Beide Protokolle in PixDrive

PixDrive steuert digitale LED-Streifen über Art-Net und über sACN. Du entscheidest pro Projekt, welches Protokoll passt, und stellst es in der Software um, ohne dein Setup neu aufzubauen. Fängst du klein an und wächst später zu einer größeren Installation, wächst PixDrive mit: Denselben Aufbau, den du heute per Art-Net testest, fährst du morgen per sACN mit mehreren Controllern und Universen.

Das nimmt der Frage vom Anfang die Schärfe. Du musst nicht raten, welches Protokoll in zwei Jahren zu deinem Projekt passt, und du bindest dich nicht an eine Software, die nur eins von beiden kann. Du richtest deine LEDs ein, wählst das Protokoll, das gerade sinnvoll ist, und änderst es, wenn sich dein Projekt ändert.

Wenn du gerade vor deiner ersten Installation stehst, ist der einfachste Weg: Streifen anschließen, in PixDrive mit Art-Net starten und schauen, ob das Bild steht. Sobald das Projekt wächst, weißt du jetzt, worauf du bei sACN achten musst, und der Umstieg ist eine Sache von Minuten.